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NEWSLETTER
02/2017

vom 13.02.2017
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
unsere GfV Jahrestagung in Marburg steht bevor und wir freuen uns alle wieder auf einen spannenden und informativen Kongress mit Präsentationen von "älteren" und "jüngeren" Virologen. Damit die Diskussionen (vor allem auch an den Postern) noch intensiver werden, haben Vorstand und Beirat unserer Gesellschaft im Dezember 2016 beschlossen, keine Vorstands- und Kommissionssitzungen während der Kongresszeit abzuhalten. Damit haben alle während der Jahrestagung Zeit für das Wichtigste, nämlich die virologische Forschung (von der Klinik bis zur Grundlagenforschung). Bereits jetzt großen Dank an Herrn Becker und alle seine Mitstreiter.
Sie finden in diesem Newsletter die Vorstellung der diesjährigen Preisträger unseres Loeffler-Frosch-Preises und unserer Loeffler-Frosch-Medaille. Ich lade Sie hiermit schon sehr herzlich ein, an der Preisverleihung teilzunehmen.
Zuletzt bitte ich Sie auch um Ihre zahlreiche Teilnahme an der Mitgliederversammlung, auf welcher der von Ihnen neu gewählte Vorstand und Beirat seine Ämter übernimmt und auf der auch künftige Entwicklungen unserer Gesellschaft diskutiert werden sollen.
Ihr
Thomas Mertens

P.S. Achten Sie bitte auch auf die Ausschreibungen von Konsiliarlaboratorien.
Aktuelles

Träger der Loeffler-Frosch-Medaille 2017:


Wolfram Hubert Gerlich; Prof. Dr. phil. nat., Dr. h.c.

Wolfram Gerlich wurde in 1944 in Zwittau, der damaligen Tschechoslowakei geboren und wuchs in Bayern auf. 1970 erlangte er nach einem Studium der Chemie in Frankfurt/Main den Doktorgrad bei Prof. Theodor Wieland mit der Methodik der Chromatographie mit Hilfe von Zellulosegelen unter anderem auch mit Bakteriophagen als Untersuchungsobjekt. Als Postdoktorand gelang ihm in den Jahren danach am Institut für Medizinische Virologie in Frankfurt/Main unter der Leitung von Prof. G May die Charakterisierung der subviralen Partikeln, des sogenannten HBsAg, des damals noch frisch entdeckten Hepatitis-B-Virus.

Von 1974 bis 1990 wechselte er an das Institut für Medizinische Mikrobiologie in Göttingen, das unter der Leitung von Prof. R. Thomssen auch das damalige Referenz-Labor für virale Hepatitis beherbergte. In 1979 ging er für ein Jahr als Fellow für Virologie zu Prof. William Robinson an die Stanford Universität. Hier entdeckte und charakterisierte er das Terminale Protein (TP) ,das covalent mit der genomischen HBV DNA verknüpft ist und mit dem Start der reversen Transskription der prägenomischen RNA einhergeht. Zurück in Göttingen gelang ihm die Entdeckung der zwei größeren Hüllproteine des HBV, insbesondere der PräS-Domänen, die für den HBV-Infektionsvorgang von so essentieller Bedeutung sind. Diese Arbeiten waren die Grundlagen für die Entwicklung und Produktion eines wirksamen Impfstoffs gegen HBV, sowie von diagnostischen Nachweisverfahren und Standards zur serologischen Diagnostik der akuten und chronischen Hepatitis B. Die große Bedeutung vieler diagnostischer Methoden, wie z.B. des quantitativen HBsAg (qHBsAg) für die Prognose des Verlaufs der Hepatitis-B-Virus Infektion, wurde damals verkannt und ist erst in heutiger Zeit wichtiger Bestandteil der serologischen Diagnostik.

In 1991 übernahm Gerlich in der Nachfolge von Prof. Heinz Bauer die Leitung des Instituts für Medizinische Virologie an der Justus-Liebig Universität Gießen, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2010 innehatte. Hier betrieb Gerlich die Gründung und Koordination des fächerübergreifenden Sonderforschungsbereichs 575 ("Invasionsmechanismen und Replikationsstrategien von Krankheitserregern" 1995-2009), der wesentlich die virologisch-infektiologische Forschung in Gießen und Marburg mitgestalten sollte. W. Gerlich hat als Mitglied des Arbeitskreises" Blut" einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Virussicherheit von Blutspenden und Blutprodukten zur Vermeidung von Kontaminationen, z. B. mit HBV, HCV und HIV, durch Einführung der PCR-Methodik in Deutschland und weltweit beigetragen. In diesem Zusammenhang charakterisierte W. Gerlich, in enger Zusammenarbeit mit internationalen Kolleginnen und Kollegen, den Begriff der okkulten Hepatitis-B-Virus Infektion. Diese nur mit Hilfe eines hoch-sensitiven Nachweis des viralen Genoms serologisch erkennbare Form der HBV-Infektion bleibt oft über Jahre und Jahrzehnte unerkannt, kann aber unter Immunsuppression zur klinisch so gefährlichen Reaktivierung des Hepatitis-B-Virus führen. Mit der Ernennung des Institut zum Nationalen Konsiliarlabor für Hepatitis B und D in 1996 war es auf nationaler und internationaler Ebene führend zu Fragen der diagnostischen Test-Standardisierung, und Verfahren zur Virusinaktivierung und Virussicherheit bei HBV.

W. Gerlich war in 1990 Gründungsmitglied der Gesellschaft für Virologie.

W. Gerlich hat zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, hervorzuheben sind die Ehrendoktorwürde der Universität von Riga/Lettland (2004) und die "Emil-von-Behring-Vorlesung" im Jahr 2009. 1988 war W. Gerlich Preisträger der Medizinischen Grundlagenforschung der GSK-Stiftung (Zusammen mit seinem Kollegen Klaus-Hinrich Heermann): "Wege zu einem optimalen Impfstoff gegen Hepatitis-B-Viren".

 

Loeffler-Frosch-Preisträger 2017:


PhD Cesar Munoz-Fontela

Seit seiner Promotion an der Universität Madrid im Labor von Prof. Rivas über KSHV beschäftigt sich Cesar Muñoz-Fontela wissenschaftlich mit infektiologischen Fragen. Aus dieser Zeit datieren Publikationen, die sich mit Aspekten viraler Tumorgenese, insbesondere mit der Bedeutung von Tumor-Suppressorgenen und der Regulation der antiviralen Immunität beschäftigen. 2006 ging er als Postdoc an die Mount Sinai School of Medicine, New York, wo er sich bis 2011 mit Fragen zur Bedeutung der angeborenen und adaptiven Immunität bei "ermerging viral Infections" (initial Influenza) befaßte. 2011 wurde er als Leiter der Junior Research Group "Emerging viral infections" an das Heinrich Pette Institut für Experimentelle Virologie berufen. Seit 2012 ist er Associate Research Group Leader am Bernhard Nocht Institut, Hamburg, und seit 2013 Visiting Scientist am Institute of Lassa Fever and Control in Nigeria.

Als Virus-Immunologe hat sich Cesar Muñoz-Fontela auf zentrale Fragen der Immunkontrolle von emerging Virus-Infektionen, insbesondere Ebola und Lassa Virus, fokussiert. Er hat Infektionsmodelle in immunkompetenten Mäusen etabliert, die die Infektion mit humanen Virusstämmen und damit die Erhebung pathogenetisch relevanter Daten, insbesondere zur Immunkontrolle, jedoch auch Studien zur Effizienz antiviraler Substanzen gegenüber Ebola- oder Lassavirus-Infektionen erlauben. Seine Arbeiten waren eine Grundlage für die Etablierung klinischer Studien zur Behandlung mit Favipiravir während des Ebola Ausbruchs in West Afrika, aber auch für für Lassa Fieber Patienten in Nigeria.

Neben seiner Laborarbeit hat Cesar mit seinem Team exzellente Arbeit in Afrika im Kontext der Public Health Response während der Ebola und Lassa Ausbrüche in Guinea und Nigeria geleistet. Er war wesentliches Mitglied zweier EU-geförderter Konsortien, die Diagnostik und Forschung des Ebola Ausbruchs in West Afrika leiteten (das EMLab und EVIDENT). Zusammen mit Kollegen etablierte er Diagnostik- und Forschungslabors, trainierte lokales Personal in Präventionsmassnahmen für infektiöse Erkrankungen und arbeitete unter äusserst erschwerten Bedingungen aktiv bei der Kontrolle des Ebola Ausbruchs in West Afrika. Als ausgebildeter Immunologe etablierte er zusammen mit EMLab Partnern ein immunologisches Labor in Guinea, das ihm die Analyse immunologischer Parameter in Ebola Patienten erlaubte. So konnte er in seiner 2016 in Nature erschienen Arbeit spezifische Defekte von T Zell Funktionen als Korrelate der Ebola Mortalität identifizieren.

Seine wissenschaftliche Leistung ist durch seine exzellenten Publikationen eindrucksvoll belegt und hat auch eine Reihe von Preisen erhalten. Seine nahezu einzigartige Kombination aus Forschungsarbeit im Labor, aber auch im Feld, ist kürzlich mit dem ‚Society Needs Science' Award ausgezeichnet worden, was die Anerkennung seiner interdisziplinären Arbeit hervorhebt. Cesar Muñoz-Fontela ist ein höchst kreativer, erfolgreicher und international anerkannter junger Wissenschaftler. Die von ihm bislang aufgebauten experimentellen Systeme und Forschungsnetzwerke haben ihm bereits national und international höchste Anerkennung eingebracht.

 

NRZ für Clostridium difficile, KL für Bordetellen, KL für HSV und VZV, KL für Coronaviren: Ausschreibung veröffentlicht

Zum weiteren Ausbau infektionsepidemiologischer Netzwerke und zur Fortentwicklung effektiver Präventions- und Bekämpfungsstrategien bei Infektionskrankheiten sind für das Robert Koch-Institut (RKI) ausgewiesene Fachexpertise und labordiagnostische Erfahrung erforderlich, die durch Nationale Referenzzentren (NRZ) und Konsiliarlabore (KL) erbracht werden. Es werden die Leitungen des NRZ für Clostridium difficile sowie des KL für Bordetellen, des KL für Herpes-simplex-Virus und Varicella-Zoster-Virus und des KL für Coronaviren ausgeschrieben. Den Ausschreibungstext finden Sie im aktuellen Epidemiologischen Bulletin

 
Stellenangebote
Postdoctoral position in antigen processing and immunity Ragon Institute of MGH, MIT and Harvard Cambridge, MA, USA

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Infection - Epigenetics - Chromatin The Joint Research Group EPILOG seeks 6 PhD Students and a Postdoctoral Scientist

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2 PhD positions (TV-L 13, 65%) are available in the research group of Prof. Lars Dölken for the following topic: Modulation of the cellular RNA processing machinery by herpes simplex virus 1

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Hinweise auf nationale und internationale Tagungen
01.-03. März 2017:
19th International AEK Cancer Congress, Heidelberg (Germany)

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22.-25. März 2017:
27th Annual Meeting of the Society for Virology, Marburg (Germany)

 
16. Mai 2017:
Workshop "Zecken & Co: Wir sind gekommen, um zu bleiben", Berlin (Germany)

 
04.-07 Juni 2017:
10th International Symposium on Viruses of Lower Vertebrates (ISVLV), Budapest (Hungary)

 
07.-10 Juni 2017:
4th International Ranavirus Symposium, Budapest (Hungary)

 
16.-18 Juni 2017:
5th European Seminar in Virology (EuSeV): Virus infections of the nervous system, Bertinoro (Italy)

 
23.-26 Juli 2017:
10th International Conference on Human Herpesvirus 6 and 7, Berlin (Germany)

 
25.-28. Juli 2017:
20th International Workshop on Kaposi's Sarcoma Herpes Virus (KSHV) and Related Agents, Berlin (Germany)

 
13.-16. September 2017:
9th International Symposium on Filoviruses, Marburg (Germany)

 
19. September 2017:
Virus vom Vogel: Auswirkungen der zoonotischen und der saisonalen Grippe, Berlin (Germany)

 
12.-13. Oktober 2017:
National Symposium on Zoonoses Research 2017, Berlin (Germany)

 
08.-09. November 2017:
Fraunhofer Life Science Symposium Leipzig 2017, Leipzig (Germany)

 
weitere Termine und Informationen finden Sie auch auf den Seiten der GfV
Impressum
Prof. Thomas Mertens
Universitätsklinikum Ulm
Institut für Virologie
Albert-Einstein-Allee 11
D-89081 Ulm
Phone: +49-731 500 65101
Sekretariat:
Ingrid Bennett
ingrid.bennett@uniklinik-ulm.de
Vorsitzender der Kommission
"Homepage/Newsletter"
Prof. Dr. Michael Roggendorf
Technische Universität München
Institut für Virologie
Schneckenburgerstr. 8
81675 München
michael.roggendorf@tum.de